Alltag & Übungen
Atemtherapie bei COPD: Techniken und Übungen für mehr Luft im Alltag
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Bei COPD kann Atemnot den Alltag stark einschränken. Lippenbremse, atemerleichternde Haltungen und Bewegung helfen, besser mit der Erkrankung zu leben. Ein Überblick.
Atemtherapie bei COPD ersetzt keine Medikamente, ergänzt sie aber sinnvoll. Techniken wie die Lippenbremse und atemerleichternde Haltungen helfen, Atemnot besser zu bewältigen. Regelmäßige Bewegung kann die Belastbarkeit im Alltag verbessern.
COPD steht für chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Die Atemwege sind dauerhaft verengt, das Ausatmen fällt schwer. Viele Betroffene kennen das Gefühl, beim Treppensteigen oder Anziehen nicht genug Luft zu bekommen. Das führt oft dazu, dass man sich weniger bewegt – und genau das kann die Belastbarkeit weiter verringern.
Was Atemtherapie bei COPD leisten kann
Die Nationale VersorgungsLeitlinie COPD beschreibt körperliches Training und Atemphysiotherapie als wichtige nicht-medikamentöse Bausteine der Behandlung. In der Atemtherapie lernen Sie, wie Sie mit der vorhandenen Lungenfunktion möglichst gut umgehen: ruhiger atmen, die Atemmuskeln entlasten, Schleim leichter abhusten und Atemnot schneller in den Griff bekommen.
Die Lippenbremse
Die Lippenbremse ist die bekannteste Technik. Sie atmen durch die Nase ein und anschließend langsam durch die locker aufeinanderliegenden Lippen aus – so, als wollten Sie eine Kerze zum Flackern bringen, ohne sie auszupusten. Der leichte Widerstand soll verhindern, dass die kleinen Atemwege beim Ausatmen zusammenfallen.
Setzen Sie sich aufrecht und entspannt hin.
Atmen Sie ruhig durch die Nase ein.
Lassen Sie die Luft langsam durch die locker geschlossenen Lippen ausströmen.
Die Ausatmung darf ruhig etwa doppelt so lange dauern wie die Einatmung.
Atemerleichternde Haltungen
Bestimmte Haltungen entlasten die Atemmuskulatur, weil Arme und Schultergürtel abgestützt werden. Probieren Sie aus, was Ihnen guttut:
Kutschersitz: Im Sitzen leicht nach vorn beugen und die Unterarme auf den Oberschenkeln abstützen.
Torwartstellung: Im Stehen die Hände oberhalb der Knie auf die Oberschenkel stützen.
Abstützen an der Wand: Mit dem Rücken an die Wand lehnen oder die Hände auf eine Fensterbank legen.
Schleim lösen und richtig husten
Kräftiges, wiederholtes Husten kann anstrengen und die Atemwege reizen. In der Therapie üben wir sanftere Techniken, zum Beispiel das „Huffing“: Nach dem Einatmen wird die Luft mit offenem Mund kräftig ausgehaucht, als wollten Sie einen Spiegel beschlagen. Ausreichend Trinken – soweit ärztlich nicht anders verordnet – kann helfen, Schleim flüssiger zu halten.
Bewegung trotz Atemnot
Viele Menschen mit COPD vermeiden Bewegung aus Angst vor Atemnot. Angepasstes Training kann aber helfen, Muskeln zu stärken und Alltagswege wieder leichter zu bewältigen. Wichtig ist, langsam zu beginnen, Pausen einzuplanen und die Lippenbremse bei Belastung zu nutzen. Auch Lungensportgruppen bieten eine gute Möglichkeit, gemeinsam aktiv zu bleiben.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Nimmt die Atemnot plötzlich deutlich zu, verfärbt sich der Auswurf, bekommen Sie Fieber oder helfen Ihre Notfallmedikamente nicht wie gewohnt, wenden Sie sich umgehend an Ihre Arztpraxis. Bei schwerer Atemnot rufen Sie den Notruf 112.
So gehen wir bei der Atemtherapie vor
Wir beginnen mit einem Gespräch über Ihre Beschwerden im Alltag: Wann tritt Atemnot auf, wie weit können Sie gehen, wie gut gelingt das Abhusten? Danach beobachten wir Ihre Atmung in Ruhe und bei leichter Belastung.
Schritt für Schritt üben wir die Techniken, bis sie Ihnen leichtfallen. Wir zeigen Ihnen außerdem Übungen für zu Hause und besprechen, wie Sie Belastungen im Alltag besser einteilen. Bei Bedarf findet die Behandlung als Hausbesuch statt.
Ein kleiner Übungsplan für jeden Tag
Atemtherapie bei COPD wirkt am besten, wenn Sie regelmäßig üben. Ein möglicher Tagesablauf, den Sie mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten anpassen können:
Morgens: Einige Minuten Lippenbremse im Sitzen, danach Sekret lösen und sanft abhusten.
Mittags: Ein kurzer Spaziergang in Ihrem Tempo, bei Bedarf mit Pausen in atemerleichternder Haltung.
Nachmittags: Leichte Kräftigungsübungen für Arme und Beine, zum Beispiel Aufstehen vom Stuhl.
Abends: Entspannte Atemübungen im Liegen oder Sitzen, um zur Ruhe zu kommen.
Notieren Sie, wie Sie sich fühlen und wie weit Sie gehen konnten. So erkennen Sie Fortschritte und Veränderungen früh. Bringen Sie die Notizen gern zur Behandlung mit.
Begriffe einfach erklärt
COPD: Chronisch obstruktive Lungenerkrankung: dauerhaft verengte Atemwege, oft durch langjähriges Rauchen.
Obstruktion: Verengung der Atemwege, die vor allem das Ausatmen erschwert.
Sekret: Schleim in den Atemwegen.
Lungensport: Angeleitetes Training in Gruppen für Menschen mit Lungenerkrankungen.
Häufige Irrtümer
„Bewegung schadet meiner Lunge.“ Angepasste Bewegung gehört zu den empfohlenen Bausteinen der Behandlung.
„Atemübungen brauche ich nur bei Atemnot.“ Techniken sollten regelmäßig geübt werden, damit sie im Ernstfall sitzen.
„Atemtherapie ersetzt meine Medikamente.“ Nein, sie ergänzt die ärztliche Behandlung.
Das Wichtigste in Kürze
Lippenbremse und atemerleichternde Haltungen helfen bei Atemnot.
Sanfte Hustentechniken schonen die Atemwege.
Angepasste Bewegung kann die Belastbarkeit verbessern.
Bei plötzlicher Verschlechterung ärztliche Hilfe holen.
Häufig gestellte Fragen
Bekomme ich Atemtherapie auf Rezept?
Ja, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Atemtherapie als Heilmittel verordnen. Mehr auf der Seite Atemtherapie.
Wie oft sollte ich die Lippenbremse üben?
Am besten mehrmals täglich für einige Minuten und immer bei Belastung, etwa beim Treppensteigen.
Hilft Atemtherapie auch bei Asthma?
Ja, die Techniken können auch bei Asthma unterstützen. Die medikamentöse Behandlung bleibt die Grundlage.
Kann ich Atemtherapie auch im Sitzen machen?
Ja. Viele Techniken, etwa die Lippenbremse und atemerleichternde Haltungen, lassen sich gut im Sitzen üben. Das ist für den Einstieg oft angenehmer.
Darf ich mit COPD reisen?
Viele Menschen mit COPD können reisen. Sprechen Sie vor längeren Reisen oder Flügen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders wenn Sie Sauerstoff benötigen.
Was ist der Unterschied zwischen Atemtherapie und Lungensport?
Atemtherapie ist eine verordnete Einzelbehandlung, in der Sie Techniken lernen. Lungensport ist ein Training in der Gruppe, das die Belastbarkeit verbessern soll. Beides kann sich gut ergänzen.
Quellen und weiterführende Informationen
Sie haben Fragen zu der Atemtherapie oder eine Verordnung erhalten? Rufen Sie uns an unter 01523 1607701 oder senden Sie eine Terminanfrage. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen – in unserer Praxis in Quakenbrück oder bei einem Hausbesuch.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Verordnung.