Beschwerden & Behandlung
Neues Knie- oder Hüftgelenk: Die ersten Wochen nach der Operation
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Nach einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk beginnt die Bewegung schon im Krankenhaus. Wie es nach Reha und Entlassung weitergeht und welche Rolle Physiotherapie spielt.
Nach dem Einsetzen eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks wird meist schon am ersten oder zweiten Tag mit Bewegung begonnen. Es folgt häufig eine Anschlussheilbehandlung. Danach hilft ambulante Physiotherapie, Beweglichkeit, Kraft und Sicherheit beim Gehen weiter zu verbessern.
Der Einsatz eines künstlichen Gelenks – eine Endoprothese, oft „TEP“ genannt – gehört in Deutschland zu den häufigsten Operationen. Meist geht ihr eine fortgeschrittene Arthrose voraus. Viele Menschen haben vor der Operation lange Schmerzen gehabt und sich wenig bewegt. Nach der Operation beginnt deshalb nicht nur die Heilung, sondern auch der Weg zurück zu mehr Bewegung.
Im Krankenhaus: früh in Bewegung
Schon kurz nach der Operation helfen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten beim ersten Aufstehen. Sie üben das Gehen mit Unterarmgehstützen, das Treppensteigen und das sichere Hinsetzen. Wie stark Sie das neue Gelenk belasten dürfen, legt das Operationsteam fest. Halten Sie sich an diese Vorgaben – sie hängen von der Art der Prothese und der Operation ab.
Anschlussheilbehandlung
Nach dem Krankenhausaufenthalt folgt häufig eine Anschlussheilbehandlung (AHB), ambulant oder stationär. Sie wird meist schon im Krankenhaus beantragt. In der Reha stehen Krankengymnastik, Gangschulung, Kräftigung und Alltagstraining im Mittelpunkt.
Nach der Reha: Physiotherapie in der Praxis oder zu Hause
Wenn Sie wieder zu Hause sind, geht die Arbeit weiter. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Krankengymnastik verordnen. Ist der Weg in die Praxis noch zu beschwerlich, kann ein Hausbesuch vermerkt werden. Bei Schwellungen kann zusätzlich Manuelle Lymphdrainage sinnvoll sein.
Typische Ziele in dieser Phase
das Knie wieder gut beugen und strecken, die Hüfte sicher bewegen
die Muskulatur um das Gelenk kräftigen
ohne Gehstützen sicher gehen, wenn das Operationsteam es erlaubt
Treppen, Aufstehen und Anziehen im Alltag sicher meistern
Schwellung verringern
Einfache Übungen für die ersten Wochen
Die folgenden Übungen sind Beispiele. Welche Übungen und wie viele Wiederholungen für Sie richtig sind, besprechen Sie bitte mit Ihrem Behandlungsteam.
Fußpumpe: Im Liegen oder Sitzen die Füße abwechselnd anziehen und strecken. Das regt den Kreislauf an.
Oberschenkel anspannen: Im Liegen das Knie in die Unterlage drücken und die Spannung einige Sekunden halten.
Ferse gleiten lassen: Im Liegen die Ferse langsam zum Gesäß ziehen und wieder strecken.
Aufstehen üben: Aus einem stabilen Stuhl mit Armlehnen langsam aufstehen und wieder setzen.
Warnzeichen: Wann Sie sich melden sollten
Wenden Sie sich umgehend an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder die Klinik, wenn die Wunde rot, heiß oder nässend ist, wenn Fieber auftritt, wenn das Bein plötzlich stark anschwillt oder schmerzt oder wenn Sie Atemnot oder Brustschmerzen bekommen. Diese Zeichen können auf eine Infektion oder eine Thrombose hinweisen.
So gehen wir bei der Nachbehandlung vor
Beim ersten Termin nach der Operation lassen wir uns den Entlassungsbericht zeigen und richten uns nach den Belastungsvorgaben. Wir prüfen Beweglichkeit, Schwellung und Gangbild und legen die nächsten Ziele fest.
In den folgenden Wochen üben wir Schritt für Schritt: Beweglichkeit, Kraft, sicheres Gehen und Treppensteigen. Bei Schwellungen kann zusätzlich Manuelle Lymphdrainage verordnet werden. Zu Beginn ist auch ein Hausbesuch möglich.
Mit dem neuen Knie- oder Hüftgelenk den Alltag planen
Mit einem neuen Knie- oder Hüftgelenk hilft es, die ersten Wochen zu Hause gut vorzubereiten. Vieles lässt sich schon vor der Operation organisieren:
Stellen Sie häufig benutzte Dinge in Griffhöhe.
Sorgen Sie für einen stabilen Stuhl mit Armlehnen und ausreichender Sitzhöhe.
Entfernen Sie Stolperfallen wie lose Teppiche und Kabel.
Klären Sie, wer Ihnen beim Einkaufen und bei Fahrten zu Terminen hilft.
Nach der Rückkehr nach Hause ist ein Hausbesuch möglich, wenn er verordnet ist. Sobald Sie sicher genug sind, kommen Sie in unsere Praxis – der Treppenlift erleichtert den Weg ins Obergeschoss.
Begriffe einfach erklärt
Endoprothese: Künstlicher Gelenkersatz, der im Körper verbleibt.
TEP: Totalendoprothese: Ersatz des gesamten Gelenks.
Anschlussheilbehandlung (AHB): Rehabilitation unmittelbar nach dem Krankenhausaufenthalt.
Teilbelastung: Das operierte Bein darf nur mit einem Teil des Körpergewichts belastet werden.
Häufige Irrtümer
„Mit der Operation ist alles erledigt.“ Das Ergebnis hängt auch stark vom Üben danach ab.
„Schmerz bei Übungen heißt Schaden.“ Ein gewisser Dehn- oder Muskelschmerz ist normal. Starke oder zunehmende Schmerzen sollten Sie ansprechen.
„Ich muss das Bein schonen.“ Bewegung im erlaubten Rahmen ist wichtig für Beweglichkeit und Kraft.
Das Wichtigste in Kürze
Bewegung beginnt schon im Krankenhaus.
Nach der Reha geht die Physiotherapie ambulant weiter.
Belastungsvorgaben des Operationsteams einhalten.
Bei Fieber, Wundrötung oder plötzlicher Schwellung sofort melden.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange brauche ich Gehstützen?
Das ist unterschiedlich und hängt von Operation, Prothese und Ihrem Verlauf ab. Das Operationsteam gibt die Belastung vor.
Wann darf ich wieder Auto fahren?
Sprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Sie müssen das Bein sicher und schnell bewegen können.
Kann ich schon vor der Operation üben?
Ja, eine kräftige Muskulatur vor der Operation kann den Start danach erleichtern. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Wann kann ich wieder Treppen steigen?
Das Treppensteigen wird meist schon im Krankenhaus mit Gehstützen geübt. Wie schnell es ohne Hilfe gelingt, ist sehr unterschiedlich.
Wie schlafe ich nach einer Hüftoperation am besten?
Das hängt von der Operationsmethode ab. Viele Kliniken empfehlen in den ersten Wochen die Rückenlage oder eine Seitenlage mit Kissen zwischen den Knien. Halten Sie sich an die Hinweise Ihres Operationsteams.
Was hilft gegen die Schwellung?
Hochlagern, kurzes Kühlen nach Absprache, Bewegung im erlaubten Rahmen und bei Bedarf eine verordnete Manuelle Lymphdrainage.
Quellen und weiterführende Informationen
Sie haben Fragen zu der Physiotherapie nach einer Gelenkoperation oder eine Verordnung erhalten? Rufen Sie uns an unter 01523 1607701 oder senden Sie eine Terminanfrage. Wir beraten Sie gern in unserer Praxis in Quakenbrück.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Verordnung.