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Beschwerden & Behandlung

Physiotherapie nach dem Schlaganfall: Schritt für Schritt zurück in den Alltag

5 Min. Lesezeit

Hand hält eine Tasse, unterstützt von der Therapeutin

Nach einem Schlaganfall lernt das Gehirn Bewegungen neu. Wie Physiotherapie nach dem Bobath-Konzept dabei unterstützt, was Angehörige tun können und warum regelmäßiges Üben zählt.

Nach einem Schlaganfall kann das Gehirn Bewegungen neu lernen. Physiotherapie hilft dabei, indem sie alltägliche Bewegungen gezielt und häufig übt. Wichtig sind ein früher Beginn, viele Wiederholungen und Übungen, die zum eigenen Alltag passen.

Ein Schlaganfall verändert oft von einem Tag auf den anderen das Leben. Ein Arm gehorcht nicht mehr, das Bein fühlt sich schwer an, das Gleichgewicht ist unsicher. Viele Betroffene und Angehörige fragen sich: Was ist wieder möglich? Eine sichere Vorhersage gibt es nicht. Aber es gibt gute Gründe, aktiv zu bleiben und weiter zu üben.

Warum das Gehirn neu lernen kann

Bei einem Schlaganfall werden Nervenzellen geschädigt, weil ein Blutgefäß verstopft oder geplatzt ist. Andere Bereiche des Gehirns können jedoch Aufgaben übernehmen und neue Verbindungen bilden. Fachleute nennen diese Fähigkeit Neuroplastizität. Sie wird durch Übung angeregt: Bewegungen, die oft und mit Aufmerksamkeit wiederholt werden, festigen sich.

Die größten Fortschritte zeigen sich häufig in den ersten Monaten. Aber auch später sind Verbesserungen möglich. Deshalb ist es sinnvoll, die Physiotherapie nach Klinik und Reha ambulant fortzusetzen.

Was bedeutet KG ZNS nach Bobath?

KG ZNS ist die Krankengymnastik bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Das Bobath-Konzept ist eine der Methoden dafür. Es arbeitet nicht mit einem festen Übungsprogramm, sondern mit den Bewegungen, die Sie im Alltag brauchen: sich im Bett drehen, aufsitzen, vom Stuhl aufstehen, gehen, greifen. Die Therapeutin oder der Therapeut gibt dabei so viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich.

In unserer Praxis behandelt Haydar Karakaya nach dem Bobath-Konzept. Er hat in der Intensivmedizin, in der Klinik und in Pflegeeinrichtungen mit neurologisch erkrankten Menschen gearbeitet. Mehr zur Behandlung lesen Sie auf der Seite KG ZNS nach Bobath.

Typische Ziele in der Physiotherapie

  • sicher vom Liegen zum Sitzen und vom Sitzen zum Stehen kommen

  • mit oder ohne Hilfsmittel sicherer gehen

  • das Gleichgewicht verbessern und Stürze vermeiden

  • den betroffenen Arm wieder in Alltagsbewegungen einbeziehen

  • Muskelspannung und Schulterschmerzen günstig beeinflussen

Wie Angehörige unterstützen können

Angehörige spielen eine große Rolle. Sie erleben den Alltag mit und können Übungen begleiten. Hilfreich ist es, nicht alles abzunehmen, sondern Zeit zu lassen und kleine Schritte zu ermöglichen. Auf Wunsch zeigen wir Ihnen bei einem Termin, wie Sie beim Aufstehen oder Gehen sicher helfen können, ohne sich selbst zu überlasten.

  • Sprechen Sie die betroffene Seite an und legen Sie Gegenstände bewusst dorthin.

  • Planen Sie Übungen fest in den Tagesablauf ein, zum Beispiel nach dem Frühstück.

  • Achten Sie auf Stolperfallen wie lose Teppiche und gute Beleuchtung.

  • Gönnen Sie sich selbst Pausen und Unterstützung.

Physiotherapie zu Hause

Nach einem Schlaganfall ist der Weg in die Praxis oft eine große Hürde. Ist ein Hausbesuch ärztlich verordnet, behandeln wir in Ihrer Wohnung oder Pflegeeinrichtung. Der Vorteil: Wir üben genau dort, wo Sie sich täglich bewegen. Lesen Sie dazu auch Physiotherapie zu Hause.

So gehen wir bei neurologischen Erkrankungen vor

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch, gern zusammen mit Angehörigen. Wir möchten wissen, was im Alltag schwerfällt und was wieder möglich werden soll. Danach beobachten wir, wie Sie sich drehen, aufstehen, gehen und greifen, und legen gemeinsam kleine, erreichbare Ziele fest.

Die Behandlung findet in der Praxis oder, wenn verordnet, bei Ihnen zu Hause statt. Wir üben genau die Bewegungen, die Sie im Alltag brauchen, und geben Angehörigen Hinweise, wie sie sinnvoll unterstützen können.

Übungen in den Alltag einbauen

Viele kleine Gelegenheiten im Tagesablauf eignen sich zum Üben. Wichtig ist, sie bewusst zu nutzen und nicht zu hetzen. Diese Beispiele sollten Sie vorher mit Ihrer Therapeutin oder Ihrem Therapeuten absprechen:

  • Beim Zähneputzen sicher und gleichmäßig auf beiden Beinen stehen.

  • Beim Aufstehen vom Stuhl das Gewicht bewusst auf beide Füße verteilen.

  • Leichte Gegenstände mit der betroffenen Hand greifen und ablegen.

  • Beim Gehen auf einen gleichmäßigen Rhythmus achten und Pausen einplanen.

Ergänzend zur Physiotherapie kann Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ergotherapie oder Logopädie verordnen. Die Behandlungen ergänzen sich: Die Physiotherapie arbeitet vor allem an Bewegung und Gleichgewicht, die Ergotherapie an Alltagshandlungen, die Logopädie an Sprache und Schlucken.

Begriffe einfach erklärt

  • Neuroplastizität: Fähigkeit des Gehirns, sich durch Lernen und Übung zu verändern.

  • Hemiparese: Halbseitige Lähmung oder Schwäche nach einer Schädigung des Gehirns.

  • Spastik: Erhöhte Muskelspannung, die Bewegungen steif machen kann.

  • Bobath-Konzept: Behandlungskonzept, das alltägliche Bewegungsabläufe übt und die Selbstständigkeit fördert.

Häufige Irrtümer

  • „Nach sechs Monaten geht nichts mehr.“ Fortschritte sind oft auch später möglich, wenn regelmäßig geübt wird.

  • „Die gesunde Seite muss alles übernehmen.“ Die betroffene Seite sollte so gut wie möglich in den Alltag einbezogen werden.

  • „Viel hilft viel.“ Entscheidend sind regelmäßige, gut ausgeführte Wiederholungen – nicht Erschöpfung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Gehirn kann Bewegungen durch Übung neu lernen.

  • Physiotherapie sollte nach Klinik und Reha ambulant weitergehen.

  • Das Bobath-Konzept übt Alltagsbewegungen.

  • Angehörige können viel unterstützen – mit Geduld und kleinen Schritten.

Häufig gestellte Fragen

Woran erkenne ich einen Schlaganfall?

Typische Zeichen sind plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen. Rufen Sie dann sofort den Notruf 112 – jede Minute zählt.

Wie oft sollte ich üben?

Am besten täglich, in kleinen Einheiten. Welche Übungen für Sie passen, besprechen wir in der Therapie.

Wer verordnet die Physiotherapie nach der Reha?

In der Regel Ihre Hausärztin, Ihr Hausarzt oder die Neurologin beziehungsweise der Neurologe.

Was können Angehörige zu Hause tun?

Geduldig unterstützen, Zeit lassen und die betroffene Seite in Alltagsbewegungen einbeziehen. Wir zeigen Ihnen gern, wie das sicher gelingt.

Quellen und weiterführende Informationen

Sie haben Fragen zu der Physiotherapie nach einem Schlaganfall oder eine Verordnung erhalten? Rufen Sie uns an unter 01523 1607701 oder senden Sie eine Terminanfrage. Wir nehmen uns Zeit für Ihre Fragen – in unserer Praxis in Quakenbrück oder bei einem Hausbesuch.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Verordnung.

Physiotherapie im Zentrum QuakenbrückHeckenweg 1, 49610 Quakenbrück01523 1607701Montag – Freitag · 08:30 – 13:00 · 15:00 – 18:30Route planen © OpenStreetMap

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